DAHO.AM 2017 – The Tech Conference for Startups and Developers

Die DAHO.AM ist eine Tech-Konferenz in München die von Stylight bereits seit einigen Jahren organisiert wird. Ursprünglich wurde sie in den Räumen von Stylight ausgerichtet, aufgrund der deutlich gestiegenen Teilnehmerzahl in diesem Jahr wurde sie nun aber erstmalig in einer Event-Location, dem Backstage ausgetragen.

Eher durch Zufall bin ich dieses Jahr über die DAHO.AM gestolpert. Der Claim „The Tech Conference for Startups and Developers“ und die Ausrichtung auf „Deep-Tech“-Themen hörten sich reizvoll an, so dass ich mir anschauen wollte, was Stylight hier auf die Beine gestellt hat.

Lobenswert war schon einmal die Organisation im Vorhinein: über Swapcard wurden die Teilnehmer der Konferenz miteinander vernetzt, so dass man sich schon einmal ein Bild der Teilnehmer machen konnte.

Das Programm war umfangreich: drei Tracks mit insgesamt 24 Sessions und Panels, daneben der Founders Fight und vier über den Tag verteilt stattfindende Workshops. Die Qual der Wahl ...

Los ging es für mich mit der Session „That trump moment, when traffic hits you hard and what to learn from it“ die von Marco Kaiser, CTO von ZEIT Online, vorgetragen wurde. Marco stellte einen Case vor, den so sicher viele Medienhäuser mit großer Reichweite kennen: wenn unerwartet ein Ereignis eintritt ,welches eine globale Wichtigkeit hat, so sind die Infrastrukturen von Nachrichtenseiten einer großen Belastungsprobe ausgesetzt. Im vorgestellten Fall hat das Interesse an der Wahl von Donald Trump zum US Präsident die Infrastruktur von ZEIT Online so unter Druck gesetzt, dass sie dem Ansturm der Anfragen nicht standhalten konnte. Ein in dem Zuge besonders interessantes Analyseergebnis der Techniker bei ZEIT Online war, dass die deutliche Zunahme der Zugriffe über mobile Endgeräte  einer der Hauptgründe für die Überlastung gewesen ist. Da mobile Endgeräte im Durchschnitt über langsamere Verbindungen zu den Inhaltsanbietern verfügen als stationäre Geräte benötigt die Datenübertragung deutlich länger. Dadurch werden für einen deutlich längeren Zeitraum Ressourcen für die Zugriffe mobiler Endgeräte gebunden als bei Zugriffen stationärer Geräte. Bei normalen Zugriffsvolumina ist dies kein Problem, in Lastspitzen wie am Morgen nach der Wahl von Donald Trump führte aber genau dieses Problem zu einer Überlastung der Systeme.

Nach der Session fand die erste Runde des Founder Fight Club statt. Im Rahmen dieses Formats wurden die Vertreter zweier Startups in einen Boxring gebeten in dem sie über mehrere Runden hinweg Argument für ihr eigenes und gegen das Startup des Kontrahenten vorgetragen haben. Zum Ende hin wurde dann das Publikum gebeten abzustimmen, wer überzeugender war. In Summe ein interessantes Konzept, da mich das Thema der ersten Startups aber inhaltlich nicht interessiert hat und die Akustik zudem nicht sehr gut gewesen ist bin ich hier schnell ausgestiegen.


Quelle: www.wifirockstars.de

„Create analytics – Media meets data“ von Annina Neumann, ProSiebenSat.1, war die nächste Session auf meiner Liste. Annina stellte vor, an welchen Stellen ein Medienunternehmen wie ProSiebenSat.1 auf Machine Learning und Datenanalyse setzt und wie die gewonnenen Informationen zum Einsatz gebracht werden. Die Cases reichten von naheliegenden Ansätzen wie einer intelligenten Programmplanung welche die Verwendung von Inhalten zu gewissen Zeitslots in Relation zu Inhalten anderer Sender im gleichen Zeitraum über das Data Mining von Metadaten aus Videoinhalten zum Zwecke einer cleveren Platzierung von Werbung. Aus meiner Sicht spannend waren vor Allem zwei Aspekte: zum einen, wie etabliert die Verwendung von Machine Learning und Big Data bereits in klassischen Unternehmen wie ProSiebenSat.1 ist und zum anderen der Hinweis von Annina, dass sie durchaus auf Probleme beim Einsatz von eher auf englischsprachige Inhalte ausgelegten Methoden im Machine Learning gestoßen sind. Sicher ein Thema, das mehr Unternehmen als nur ProSiebenSat.1 beschäftigen dürfte.

Ostap Korkuna von Facebook gab in der nächsten Session „An inside look at Facebook – Small teams building large infrastructure“ einen kleinen Einblick in die von Facebook verwendeten Technologien und die Organisation der Teams. Obwohl grundsätzlich schon bekannt, hat es mich einmal mehr beeindruckt zu hören, dass Facebook nach wie vor auf einen PHP/MySQL-Stack setzt – zwei Technologien die man nicht unbedingt mit den Skalierungsbedürfnissen von Facebook verbinden würde. Grundsätzlich setzt Facebook nur auf Open-Source und eigene Technologien damit man sich nicht in Abhängigkeit von Technologie-Anbietern begibt die ggfs. nicht mit der Geschwindigkeit (Wachstum, neue Anforderungen) von Facebook mithalten können. Last but not least eine außerordentlich beeindruckende Information: Facebook hat laut Ostap kein QA-Department ... die Entwickler sind für Ihre Produkte selbstverantwortlich und getestet wird durch alle Mitarbeiter tagtäglich, da sie immer auf der aktuellsten Entwicklungsversion von Facebook arbeiten.

In der anschließenden Session „What is AI?“ von Hesam Rabeti, einem Forscher der TUM, gab es einen launigen und kurzweiligen Abriss über den aktuellen Stand zum Thema Artificial Intelligence. Hesam hat einige wichtige Begrifflichkeiten vor allem im Zusammenhang mit neuronalen Netzwerken vorgestellt. Spannend war eine knappe Anmerkung zum Schluss des Talks: Google Tango ist ein augenscheinlich beeindruckendes Projekt welches viele für die Erstellung von immersiven AR-Anwendungen benötigte Daten über die Sensorik und die Kameras von Google Tango-fähigen Geräten liefern kann. So beeindruckend die Vorstellung in den diversen Talks zu Google Tango auch ist, laut Hesam ist das Projekt Jahre hinter den aktuellen Forschungsergebnissen zurück. In dem Bereich können wir uns in den nächsten Jahren offenbar auf eine ganze Menge weiterer spannender Entwicklungen einstellen!

Auf dem Blockchain Panel aus dem „Startup Track“ gab es eine interessante Podiumsdiskussion zu einer Menge aktueller Themen der Crypto-Currency Community: das Für uns Wider von ICOs wurde diskutiert, Anwendungsfelder für Blockchain-Technologien vorgestellt und Crypto-Currencies im Kontext des Rechts und von Regulierung eingeordnet. Hier scheinen sich weltweit einige Standorte zu etablieren, an denen sich die Regulierungen frühzeitig mit Crypto-Currencies auseinander setzen und Rahmenbedingungen für Gründer schaffen. Der Kanton Zug in der Schweiz wurde hier als einer der fortschrittlichsten Plätze weltweit bezeichnet.


Quelle: www.munich-startups.de

Im Anschluss an das Panel fand die Session „Social impact of autonomous intelligent machines and possible scenarios for the future society“ statt. Florian Emanuel Deisler der sich im Rahmen der Global Shapers des internationalen Währungsfonts engagiert, stellte hier aktuelle Thesen und seine Überlegungen zur Entwicklung der Gesellschaft in Anbetracht von zunehmend automatisierteren und autonomer agierenden Technologien vor. Hauptthese des Vortrags war, dass sich Arbeit zunehmend wandeln wird und dass Entwickler zukünftig die „Arbeiterklasse“ bilden werden – mit der Konsequenz, dass die Ausbildung viel stärker Kernkompetenzen im IT-Bereich vermitteln müsse. Auch aus diesem Hintergrund heraus hat Florian mit einigen Mitstreitern ein Projekt in München gestartet, in dem sie an Haupt- und Mittelschulen Kurse für das Erlernen von Programmierfähigkeiten geben – ein tolles, unterstützenswertes Projekt!

Vor der abschließenden Keynote fand dann noch eine sehr kurzweilige - weil super interessante - Session unter dem Thema „Picasso’s terminal – Machine learning for art and creativity“ statt. Gene Kogan, Entwickler und Künstler, stellte hier in rasendem Tempo unterschiedlichste Beispiele für den Einsatz von Machine Learning v.a. im Rahmen neuronaler Netze vor. Einige der Beispiele hat Gene auch auf seiner Homepage zusammengestellt – dort sieht man was heute schon alles beim Einsatz von Machine Learning Algorithmen möglich ist.

Zum Abschluss stellte Kevin Adler unter dem Titel „Make something people need“ eine wirklich inspirierende Geschichte vor, die zu seiner Gründung von „Miracle Messages“, einem sozialen Startup in San Francisco, führte. Er setzt sich dabei mit den Schwierigkeiten von Obdachlosen auseinander und hilft ihnen wieder in Kontakt mit ihren Familien und Freunden zu gelangen. Der gesamte Vortrag war ein Plädoyer für Menschlichkeit und den offenen Umgang miteinander – ein wirklich großartiger Abschluss des Tages!

Die DAHO.AM war eine tolle, inspirierende Konferenz, die es leicht gemacht hat sich mit den unterschiedlichsten aktuellen Themenstellungen im Bereich der Technologie und Startups auseinander zu setzen. Die Inhalte waren sehr abwechslungsreich, die Redner authentisch und überzeugend – ich freue mich schon auf die DAHO.AM 2018!

Wie man sieht gibt es derzeit eine riesige Bandbreite an Technologien, die es zu berücksichtigen gilt. Spannend bleibt, welche der Technologien die Wandlung vom Hype zu einem Alltagsprodukt wird. Augmented Reality mit Google Tango oder Apples neu vorgestelltem ARKit auf iOS-Geräten reizt durch die Beschränkung auf sehr kleine Bildschirme noch nicht die Möglichkeiten an Immersion aus, die AR zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres Alltags mach könnten. Machine Learning ist mit Conversational UIs wie Chatbots in Facebook Messenger oder Amazon Alexa bereits heute in die Tagesabläufe vieler Menschen eingebunden – aber wird es auch dauerhafter Bestandteil bleiben? Meine Meinung: bei den richtigen Use Cases, auf jeden Fall!

Was glauben Sie? Lassen Sie uns dazu sprechen, ich freue mich auf den Gedankenaustausch!

Benjamin Broll, Geschäftsführer, bb@next-munich.com